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Die Schlacht von Villers-Bretonneux

Vier unbekannte Soldaten inspizieren die Ruinen von Villers-Bretonneux (AWM E02193).

Neuigkeiten

Veröffentlicht am April 24 2018

„Das war die vielleicht größte Einzelleistung des Krieges: der erfolgreiche nächtliche Gegenangriff eines australischen Soldaten auf unbekanntem und schwierigem Gelände, mit nur wenigen Stunden Vorbereitung“

Brigadegeneral George Grogan, 23. britische Brigade

Am 24. April 1918 gelang es den Deutschen, die Stadt Villers-Bretonneux von der 23. und 25. Brigade der 8. britischen Division zu erobern. Die 8. Division war eine gute Division, hatte aber schrecklich unter dem Verlust von 250 Offizieren und fast 5000 Männern bei der März-Offensive gelitten. Die Division wurde durch immer jüngere Truppen ohne Erfahrung verstärkt, nachdem sich die britische Regierung dazu entschied, das Einberufungsalter so weit zu senken, dass auch Männer unter 19 Jahren eingezogen wurden. Ein Australier kommentierte, dass er „Kompanien mit englischen Kindern“ gesehen habe,

„mit rosa Gesichtern, runden Wangen, Kinder, die mit der Last ihrer ungewohnten Ausrüstung kämpfen… und der Riemen hing lose an ihrem runden Babykinn herunter.“

Die britischen Kommandeure, wie z. B. General Sir Henry Rawlinson, erkannten die Torheit, neu verstärkte Einheiten in den Kampf ziehen zu lassen, ohne sie zunächst ein paar Wochen „abzuhärten“, aber sie wurden von den strategischen Anforderungen eingeschränkt.

Trotz aller Bemühungen der Briten, waren die Deutschen in der Lage gewesen, die Briten aus Villers-Bretonneux unter dem Einsatz von Panzern und der Gefangennahme einer großen Anzahl britischer Soldaten zu vertreiben. So gelangen sie in die Lage, den Bahnknotenpunkt von Amiens zu bedrohen.

Noch bevor die Neuigkeiten aus Villers-Bretonneux den General Ferdinand Foch erreichten, der der Oberbefehlshaber der Alliierten Streitkräfte war, wurden schon kühne Pläne für die Rückeroberung geschmiedet. General Rawlinson befahl den nächstgelegenen australischen Brigaden, Villers-Bretoneux zurückzuerobern, und bestand darauf, dass dies noch in der selben Nacht geschehen müsste, bevor sich die Deutschen weiter in ihrer defensiven Position verschanzten.

 

Französische Kinder, die Gräber auf Adelaide Cemetery von Australiern pflegen, die in der Schlacht an der Westfront (AWM E05925) getötet werden.

Die Aufgabe, die Stadt zurückzuerobern, wurde zwei australischen Brigaden der 4. und 5. Division sowie Teilen der britischen Infanterie übertragen.

Das Ziel der Australier war es, die Stadt einzukreisen oder die Deutschen zum Rückzug zu zwingen, während die britischen Einheiten die Stadt von den Verbliebenen befreien sollten.   Die 13. Brigade wurde vom „entschlossenen“ Brigadegeneral William Glasgow und die 15. Brigade vom „brillanten und stürmischen“ Brigadegeneral Harold ‚Pompey‘ Elliott angeführt. Beide Männer waren starke, fähige Anführer, die genügend Erfahrung in der Kriegsführung an der Westfront besaßen, um effektive Angriffspläne zu entwickeln. Insbesondere Glasgow hatte sich entschieden gegen die Planung eines Gegenangriffs bei Tageslicht ausgesprochen, den die Australier ursprünglich vorsahen. Er verteidigte die Vorteile eines nächtlichen Angriffs und wies auf das Risiko eines Angriffs am Tage hin. Auf den in Kanada geborenen britischen General William Heneker antwortete er:

„Und wenn es der allmächtige Gott gewesen wäre, der den Befehl gab: Wir können es nicht bei Tageslicht schaffen. Hier ist Ihre Artillerie weitgehend außer Gefecht und der Feind sitzt mit all seinen Waffen in Position.“

Elliott, der den Verlust von Villers-Bretonneux vorhergesehen hatte, hatte in der Hinterhand ein Bataillon bereitgehalten, um Villers-Bretonneux bei Bedarf zurückzuerobern. Sein vorausschauendes Denken ging soweit, dass seine Stabs- und Bataillonskommandeure einen Plan und Modelle des Geländes rund um Villers-Bretonneux studierten, die auf seinen Befehl hin gebaut worden waren.

Als die Australier an diesem Abend ihren Zielen näher kamen, gruppierten sich die britischen Soldaten der 23. Brigade nach ihrem Rückzug aus der Stadt neu und riefen zu ihnen herüber: „Die Deutschen kommen. Gebt ihnen Saures, Australier, uns haben sie übel zerlegt.“

Als die Australier vorrückten, erhielten sie Gegenfeuer auf ihre Flanke in den Wäldern, von denen sie glaubten, dass sie frei von Deutschen waren. Die Feuerrate hätte den Vormarsch verhindert, bevor er überhaupt begann. In einer Aktion mit einer Reihe von westaustralischen Soldaten, verjagten Sergeant Stokes und Lieutenant Sadlier die Deutschen aus dem Wald mit Hilfe von Gewehrgranaten, Lewis-Maschinengewehren und sogar den eigenen Stabgranaten der Deutschen. Mit dieser Maßnahme konnte der Angriff wie geplant fortgesetzt werden.

Laut Charles Bean, Australiens offiziellem Kriegshistoriker, konnte der Angriff nicht mehr zurückgehalten werden. Bean berichtete, dass die australischen Offiziere und die Unteroffiziere während der nächsten halbe Stunde gezeigt haben, was in ihnen steckte. Die Männer wurden so befehligt, dass sie die Fesseln der Zivilisation abgeworfen hätten und „waren das, was die Bajonettausbilder aller Armeen durch ihren Unterricht hervorbringen wollen: primitive, wilde Männer.“

Die Grausamkeit des australischen Angriffs war äußerst effektiv, und am frühen Morgen des 25. April, dem dritten Jahrestag der Landung des ANZAC in Gallipoli, hatten die zwei australischen Brigaden den Großteil ihrer Ziele erreicht. Der unbändige Brigadegeneral „Pompey“ Elliott war jedoch auf mehr aus und zerrte laut Bean „wie üblich an der Leine“, um eine Möglichkeit zu finden, wie die Australier in deutsches Gebiet vordringen konnten

Es erforderte noch den Rest des 25. und den Rest des 26. April, um die Stadt vollständig zu sichern und danach eine neue Frontlinie nach Osten hin zu errichten. Während die Deutschen die Stadt also am 24. April eingenommen hatten, eroberten die Australier sie in einem genialen und gewagten Angriff gleich am nächsten Tag wieder zurück.

Besucher des Australischen Nationaldenkmals in Villers-Bretonneux können in die Fußstapfen der Soldaten treten, die diese wichtige Schlacht gewonnen haben, an den Gräbern der vielen gefallenen Australier stehen und ab April 2018 das Sir John Monash Centre besuchen, um mehr über die Rolle zu erfahren, die die Australier auf den Schlachtfeldern der Westfront des Ersten Weltkriegs spielten.

 

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