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Ein Rückblick: Australien vor 100 Jahren

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Veröffentlicht am Januar 1 2018

Mit der Ankunft eines neuen Jahres ist es nur zeitgemäß, dass wir über das Leben in Australien vor 100 Jahren nachdenken. Über was dachten die Australier nach, als der erste Weltkrieg in das fünfte und letzte Jahr ging?

Das Land wurde immer noch von der Teilnahme am ersten Weltkrieg beherrscht, an der Heimatfront sowie in Übersee, die Australian Imperial Force (AIF) diente an der Westfront in Frankreich und Belgien, und im mittleren Osten.

Nach schweren Verlusten in Bullecourt, Messines und Ypres – 22 000 Mann in einem Jahr – hinterfragten die Australier ihre Verwicklung in den Krieg. Freiwillige Einberufungen nahmen ab und Konskription wurde zwei Mal an der Wahlurne abgelehnt.

Die fünf Infanteriedivisionen der AIF, nahezu 110 000 Männer, wurde zum Australian Corps umstrukturiert. Und zum ersten Mal wurden sie von einem Australier kommandiert, Major General John Monash, welcher die Operationen Überwachte durch die Villers-Bretonneux zurückerobert wurde und welcher eine wichtige Rolle im Sieg der Alliierten spielte.

An der Heimatfront war die Lage durch eine Anzahl verschiedener Faktoren angespannt.

Konskription

Die bittere Debatte um die Konskription hatte das Land an den religiösen, politischen und sozioökonomischen Grenzen gespalten. Manche machten sich Sorgen, dass der sogenannte “Test der nationalen Identität” zu einem sinnlosen Verlust von Leben an der Front und zivilen Aufständen zuhause führen würde.

Industrielle Unruhen

Ein Generalstreik von 100 000 Arbeitern im ganzen Land, ausgelöst durch veränderte Arbeitsbedingungen und weiterführende Sorge um die Einberufungsrichtlinien der Regierung.

Politische Aufstände

Hughes, der von der Labor Party ausgeschlossen wurde und die neue Nationalist Party anführte, dankte am 8. Januar 1918 ab, wurde aber angesichts des Mangels an anderen Kandidaten wieder vereidigt.

Viele Australier waren wütend über die Lebenserhaltungskosten, was Aktivismus unter Frauen aus allen Klassen und politischen Angehörigkeiten in Gang setzte.

Hungerrevolten

Fleisch und Weizen wurde für Großbritannien priorisiert, und seit Beginn des Krieges hatten sich die Preise für Lebensmittel um mehr als 28 Prozent erhöht, während die Bezahlung für Männer sich nur um 15,4 Prozent erhöht hatte. Die Arbeitslosigkeit lag bei 10,8 Prozent. Die Proteste fanden ihren Höhepunkt am 19. September 1917, als 10 000 Menschen zum föderalen Parlamentsgebäude in Melbourne marschierten und Objekte zerstörten. Die Organisatorin, Adela Pankhurst, wurde in Pentridge für zwei Monate eingesperrt und 400 zusätzliche Polizisten wurden eingestellt, um den Frieden zu wahren.

Inmitten dieser Turbulenz führten die Australier ihr täglichen Leben weiter, sorgten sich allerdings immer mehr über den größeren Nutzen davon, dass ihre Liebsten in Übersee kämpfen mussten.

Diejenigen die nach Ablenkung in der Unterhaltung suchten, schauten sich den ersten großen Comedyfilm des Landes an, Our Friends, the Hayseeds, und Leute jeden Alters fanden auch Freude an zwei patriotischen Büchern für Kinder, Snugglepot and Cuddlepie (May Gibbs) und The Magic Pudding (Norman Lindsay).

Im Bereich Sport wurde das Staatenübergreifende Sheffield Shield Cricketturnier nicht ausgetragen, aber beide Footballcodes und der Melbourne Cup wurden ausgetragen.

Der Krieg brachte viele technologische Errungenschaften mit sich. Die Trans-Australische Eisenbahn wurde fertiggestellt, ein nationales Projekt welches die östlichen Staaten mit Westaustralien verband. Ein elektrischer Zug wurde in der Vorstadt von Melbourne in Betrieb genommen und der erste direkte Telefonanruf zwischen Australien und England wurde von Premierminister Hughes getätigt.

Das tägliche Leben wurde von elektrischen Straßenbahnen, Autos, Zeitungen, Grammophonen und Kameras verändert, und aus dem Land gab es Verbesserungen durch neue Pflüge und Ernteutensilien.

Mechanisierung führte zu einer Standardisierung von Lebensmittelproduktion und -verpackung, wodurch Frauen Früchte und Gemüse zuhause haltbar machen konnten, aber es entstanden auch Neuheiten für Kunden wie etwa Copha, Eiscreme und Pralinenschachteln.

Als sich das Jahr 1918 dem Ende zuneigte war der erste Weltkrieg endlich vorbei und ein starkes Gefühl des nationalen Stolzes entstand daraus, was die australischen Truppen geleistet hatten. Aber auch ein Gefühl der großen Trauer über den furchtbaren Preis herrschte vor und das Verständnis, dass wir als Nation uns um die Überlebenden kümmern mussten, um die Kriegswitwen und deren Kinder.

Referenzen

Weiteres Lesematerial

  • Ross McMullin. Farewell, Dear People: Biographies of Australia’s Lost Generation. Melbourne: Scribe, 2012.
  • Joy Damousi. Living with the Aftermath: Trauma, Nostalgia and Grief in Post-War Australia. Melbourne: Cambridge University Press, 2001.

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